Wach und bewusst bleiben statt einzuschlafen

In der Meditation wach und bewusst bleiben anstatt einzuschlafen

Wach, bewusse und aufmerksam in der Meditation

Dauerschlaf

Normalerweise schlafen wir. Wir schlafen nicht nur nachts, wir schlafen eigentlich immer. Fast jeden Moment verschlafen wir. Wir verschlafen unser ganzes Leben. Wir haben schon so viele Leben verschlafen.

Damit ist gemeint, dass wir normalerweise in einem unbewussten Dämmerzustand sind und gar nicht mitbekommen, was geschieht - was wirklich geschieht. Wir erkennen die Wirklichkeit nicht so wie sie in Wahrheit ist, und wir erkennen nicht, wer wir in Wahrheit sind.

Wir sind mit unserer Aufmerksamkeit nicht im Jetzt und Hier, sondern lenken uns selbst vom gegenwärtigen Geschehen ab und flüchten in eigene geistige Konstrukte oder andere virtuelle Realitäten (Film, Fernsehen, Computer, Bücher, usw.).

Der eigentliche Sinn von Meditation ist, aus diesem unbewussten Dämmerzustand aufzuwachen und möglichst jeden Moment vollständig in seiner wahren Natur bewusst zu erleben. Wenn wir in der Meditation lernen wollen, das Jetzt und Hier bewusst wahrzunehmen, so gelingt das natürlich nicht, wenn wir während der Meditation einschlafen.

 

Ursachen für ungewolltes Einschlafen während der Meditation

Das Problem, während der Meditation von einem akuten und dringenden Schlafbedürfnis überwältigt zu werden, kann verschiedene Ursachen haben.

Einerseits kann es sein, dass wir wirklich ein hohes Schlafdefizit haben und den Schlaf dringend benötigen. Das muss aber gar nicht der wahre Grund sein.

Viele Menschen haben auch dieses Einschlafproblem in der Meditation, wenn sie eigentlich gerade sehr gut ausgeschlafen und erholt sind. Das kann dann auch etwas damit zu tun haben, dass der Schlaf als Verdrängungs- oder Ausweich-Mechanismus fungiert, quasi als letzte Notbremse, um zu verhindern, dass uns etwas bewusst wird, dass wir bisher immer erfolgreich verdrängt hatten, wie zum Beispiel unangenehme Gefühle, Erkenntnisse oder sogar traumatische Erfahrungen.

Es ist sehr wichtig, dass wir uns Folgendes an dieser Stelle deutlich machen: Es ist nicht schlimm, wenn wir während der Meditation einschlafen. Das macht nichts, denn wenn wir den Schlaf so dringend brauchen, dann ist er auch gut für uns. Wir sollten dann nach Wegen suchen, um grundsätzlich besser ausgeschlafen und erholt zu sein.

 

Meditation als wertvolle Einschlaf-Hilfe

Es gibt ja auch viele Menschen, die die Meditationen gerade dazu nutzen wollen, um zur Ruhe zu kommen, abzuschalten, Stress abzubauen und sich zu regenerieren. Andere entdecken für sich in der Meditation sogar eine gute Methode, um abends auf angenehme und einfache Weise in den Schlaf zu finden und gut durchschlafen zu können.

 

Unbewusst meditieren hilft auch

Die meisten positiven Wirkungen, die die Meditationen auf uns hat, sind auch noch vorhanden, wenn wir einen großen Teil der Meditation unbewusst (schlafend) durchlaufen.

Auch wenn wir einschlafen um zu verdrängen, so ist das eine gute Sache, denn auf diese Weise sorgen wir selbst für uns und verhindern, dass mehr belastende Dinge in unser Bewusstsein gelangen, als wir gerade verkraften können.

 

Achtsam und gelassen bleiben

Wenn wir also während der Meditation mit einer akuten überwältigenden Müdigkeit konfrontiert werden, so begegnen wir ihr einfach genauso wie all den anderen Wahrnehmungen und Erfahrungen auch, nämlich mit Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Bewusstheit, Gelassenheit und Gleichmut. Wir beobachten einfach, wie die Müdigkeit kommt, wie sie da ist und wie sie wieder verschwindet.

 

Bewusstseins-Zustände und Gehirnfrequenzen

In der Meditation wechseln wir meist auch in andere Bewusstseinszustände, wobei man stark vereinfacht sagen könnte: Je höher der Bewusstseinszustand, desto niedriger die Frequenz der Gehirnsströme bzw. Gehirnwellen und desto höher der Grad der Entspannung. Bekannt ist zum Beispiel folgende grobe Unterteilung unterschiedlicher Bewusstseinszustände mit Beispielen von möglichen Merkmalen:

Über 38 Hz = Gamma-Bereich: Hyperaktivität, Angstzustände, extreme Konzentration, extremer Stress, ...

21 - 38 Hz = Beta-Bereich: Wacheres und munteres Alltagsbewusstsein, analytisches und logisches Denken, innere Unruhe, leichter Stress, permanente Aktions- oder Alarmbereitschaft, ...

13 - 21 Hz = Beta-Bereich: Friedlicheres Alltagsbewusstsein, Nutzung der 5 Körperlichen Sinne, nach außen gerichtete Aufmerksamkeit, ...

8 - 12 Hz = Alpha-Bereich: Leichte Entspannung, nach innen gerichtete Aufmerksamkeit, Gehirnhälften arbeiten synchron, Tagträumen, Visualisieren, Gelassenheit, Kreativität, Fantasie, Intuition, ...

3 - 8 Hz = Theta-Bereich: Tiefe Entspannung, Unterbewusstsein, Einschlafen, Träumen, Hypnose, Trance, ...

Ca. 0,4 - 3 Hz = Delta-Bereich: Traumloser Tiefschlaf, Trance, Tiefenhypnose, Koma, ...

Über die genauen Frequenzbereiche und dessen Merkmale gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Übergänge sind fließend und die einzelnen Frequenzbereiche treten auch nicht in Reinform auf, sondern es sind stets Gehirnwellen aus verschiedenen Frequenzbereichen gleichzeitig vorhanden.

 

Je intensiver die Meditation, desto stärker der Einschlafdrang

Durch das vorhergehende Kapitel wird deutlich, dass es ganz normal und natürlich ist, einen umso stärkeren Einschlafdrang zu verspüren, je tiefer und intensiver die Meditation ist. Es ist eine Frage des Trainings oder besser gesagt ein Entwicklungsprozess des Bewusstseins und der Bewusstheit, bei dem wir lernen, in immer höhere (tiefer gehende) Bewusstseinszustände mit langsameren Gehirnfrequenzen zu gelangen und unsere Bewusstheit dabei aufrechtzuerhalten. Genau so wie wir es lernen können, im Schlaf und beim Träumen bewusst zu bleiben (luzides Träumen), so können wir es lernen, auch in tiefster Meditation bewusst und achtsam zu bleiben.

 

Was man tun kann um wach zu bleiben

Im Folgenden wollen wir ein paar Anregungen geben, die dabei helfen sollen, den Lernprozess des Bewusstbleibens zu unterstützen. Es sei hier aber noch einmal betont, dass jeglicher Leistungsdruck oder übertriebener Ehrgeiz eher kontraproduktiv als hilfreich ist.

 

Achtsamkeits-Meditation

Eine ausgezeichnete Methode, um unsere Wachheit, Aufmerksamkeit, Bewusstheit und Konzentration für die Meditation zu trainieren, ist Achtsamkeitsmeditation, vor allem das Beobachten und Wahrnehmen unserer Körperempfindungen und unserer Atmung. Auf diese Weise sorgen wir dafür, dass stets ausreichend Gehirn-Aktivitäten im unteren Beta-Bereich (Körper-Sinne = Wach-Bewusstsein) vorhanden sind. Mit Gehirn-Aktivitäten in diesem Frequenzbereich schlafen wir normalerweise nicht ein.

Wir können aber auch unsere Stimmungen oder unsere geistigen Prozesse beobachten und damit unsere Bewusstheit und Wachheit im Alpha-Bereich trainieren. Hauptsache ist, dass wir achtsam bleiben und bewusst mitbekommen, was im Jetzt und Hier geschieht.

Wenn wir uns in der Meditation mit unserem Bewusstsein in den Theta-Bereich begeben wollen, wo wir erkenntnisreiche spirituelle Erfahrungen machen und unser Unterbewusstsein positiv prägen können, so wird es schon deutlich schwieriger, wach und bewusst zu bleiben. Der Theta-Bereich ist der Bereich, in dem wir normalerweise einschlafen und (unbewusst) Träumen. Der "Trick" ist hier, immer wieder kurze Abschnitte von körperbezogener Achtsamkeitsmeditation einzubauen, und so stets für ausreichend wach- und bewusst-haltende Beta-Frequenzen zu sorgen.

Schließlich lernen wir auf diese Weise, mit unserem Bewusstsein im Beta-, Alpha-, Theta- und letztendlich sogar im Delta-Bereich gleichzeitig aktiv sein zu können. Wir können dann auch in der tiefsten Meditation wach und bewusst bleiben.

Ein weiterer großer Vorteil dieses Bewusstseins-Trainings ist es, dass wir dadurch zusätzlich lernen, auch in unserem Alltag und sogar in Stresssituationen mit unserer inneren Quelle der Ruhe, Kraft, Kreativität, Intuition und Weisheit in Verbindung zu bleiben. Wir haben ja gelernt, zusätzlich zu den vorherrschenden Gehirn-Aktivitäten im Beta-Bereich auch die tieferen Gehirn-Frequenzen zu erzeugen.

 

Absicht und Entschlossenheit

Eine ganz wichtige Grundlage und Voraussetzung, um in der Meditation wach und bewusst zu bleiben ist unsere Absicht und unsere Entschlossenheit. Unser Unterbewusstsein und unser Körper gehorchen uns, wenn wir eine klare Absicht mit viel Willenskraft haben und klare Anweisungen geben. Wir können zum Beispiel unserem Körper sagen oder noch besser "anordnen", dass wir jetzt für die nächste halbe Stunde (oder wie lange die Meditation auch immer dauern mag) wach, aufmerksam und geistig klar sein müssen.

 

Belohnungen fürs Wachbleiben

Wenn wir wollen, können wir auch gleichzeitig Zugeständnisse machen wie zum Beispiel, dass wir uns im Anschluss an die Meditation eine zwanzig-minütige Schlafpause gönnen werden, aber nur wenn wir während der Meditation wach geblieben sind. Wir können uns auch andere schöne Belohnungen ausdenken. :-)

 

Aufrechte Haltung

Entsprechend unserer inneren Haltung der Wachsamkeit ist es auch wichtig, mit unserem Körper eine Meditationshaltung einzunehmen, die unsere Aufmerksamkeit fördert. Dazu ist es wichtig, dass wir eine aufrechte Sitzhaltung einnehmen, bei der die gesamte Wirbelsäule und auch der Kopf senkrecht aufgerichtet und ausbalanciert sind. Der Kopf darf sich nicht nach vorne neigen und auch die Wirbelsäule sollte nirgends einknicken oder durchhängen.

 

Hilfsmittel

Wenn es uns besonders wichtig ist, uns selbst zur Wachheit zu erziehen, so können wir uns auch einen Kunststoffbecher, eine Streichholzschachtel oder etwas anderes Leichtes auf den aufgerichteten Kopf stellen (kein Metall), das herunterfällt, wenn wir beginnen einzuschlafen und den Kopf nach vorne neigen. So praktizieren wir zu der eigentlichen Meditation gleichzeitig eine parallel laufende, körperbezogene Achtsamkeitsmeditation, bei der wir die Haut auf unserem Kopf fühlen und darauf achten, dass das Objekt nicht herunterfällt. Dadurch bleibt unser Gehirn im Beta-Bereich (Wachbewusstsein) aktiv.

 

Sinnvoll essen

Auch unser Essverhalten wirkt sich auf unsere Wachheit und Konzentration in der Meditation aus. Wenn wir zum Beispiel kurz vor der Meditation zu viel gegessen haben, zieht unser Körper unserem Gehirn die Energie ab, weil er sie für die Verdauungsprozesse benötigt. Dennoch sollten unserem Nervensystem während der Meditation ausreichend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. Wenn wir unterzuckert sind, weil wir zu lange vorher nichts gegessen haben, können wir uns auch nicht gut konzentrieren. Ungünstig für den Blutzuckerspiegel ist es aber auch, kurz vor der Meditation stark zuckerhaltige Nahrungsmittel (z. B. Süßigkeiten) zu essen, da dann häufig der Blutzuckerspiegel nach einer kurzen Anstiegsphase noch tiefer sinkt als er ursprünglich war.

 

Sinnvoll trinken

Wir sollten auch stets genug trinken und unseren Flüssigkeitshaushalt in Balance halten. Natürlich hilft es nichts, wenn wir direkt vor der Meditation so viel trinken, dass wir dann währenddessen mit dem Harndrang zu kämpfen haben.

 

Sauerstoff

Ganz wichtig für unsere Konzentration ist auch der Sauerstoffgehalt an unserem Meditations-Ort. Wenn wir in einem geschlossenen Raum meditieren, so sollte dieser vorher gut gelüftet sein.

 

Zusätzliche Belastungen vermeiden

Auch Elektrosmog schadet unserer Konzentration und geistigen Klarheit. Belastungen durch Hausfunktelefone, Handys, WLAN, Mikrowellen oder sonstige Funk-Wellen sollten wir aus unserem Lebensalltag verbannen so gut es uns möglich ist.

 

Kreislauf anregen

Ausdauersport, Sauna oder warm-kaltes Wechsel-Duschen stärkt unseren Kreislauf und hilft uns somit auch im entspannten Zustand wach zu bleiben.

 

Vitaler Körper - klarer Geist

Besonders Yoga unterstützt unsere körperlichen Voraussetzungen für einen wachen und klaren Geist in der Meditation.

 

Zurück zur Übersicht: Meditation - Anleitung